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Vielleicht haben wir früher dazu geneigt, von uns selbst die Vorstellung eines friedvollen Menschen zu haben, und dann versucht, uns zu dazu zu disziplinieren, so auszusehen oder zu handeln, wie wir dachten, dass ein friedvoller Mensch es sollte. Wenn wir unseren eigenen Vorstellungen und Erwartungen nicht gerecht werden können, kämpfen wir gegen uns selbst. Ich spreche aber nicht über Konzepte oder Persönlichkeitstraining. Die Möglichkeit, die ich vorschlage, reicht tiefer als jedes Konzept und kann nicht erlernt oder nachgeahmt werden. Die Möglichkeit für jeden von uns ist zu erkennen, dass Frieden schon in diesem Augenblick lebt und gegenwärtig ist. Wenn ich das Wort „Frieden“ benutze, beziehe ich mich auf eine Qualität von intelligenter, bewusster Liebe. Wenn du dich selbst als intelligente, bewusste Liebe erkennst, wird Frieden ein Nebenprodukt dieser direkten Erkenntnis deiner selbst sein.

 

Nur zu glauben, dass du intelligente, bewusste Liebe bist oder es zu verstehen, trifft es nicht. Es zu glauben oder zu verstehen erfordert ein Konzept oder einen Gedanken über dich selbst. Im Getöse des Denkens dieses Konzepts könntest du die überwältigende direkte Erfahrung der Erkenntnis verfehlen. Diese direkte Erkenntnis ist wesentlich dafür, dass der Frieden sich in deinem Herzen einstellen kann. Dein wahres Selbst direkt, ohne Gedanken oder Konzept zu erkennen, heißt zu erkennen, was bereits frei und in Frieden ist. Jeder von uns auf unserer Mutter Erde kann das hier und jetzt direkt erkennen. Jeder von uns, einer wie der andere, kann in seinem eigenen Herzen die absolute Wahrheit erkennen. Frieden ist dann einfach ein Nebenprodukt dieser direkten Erfahrung.

 


Warum haben wir das als Spezies nicht schon erkannt? Warum leben wir in der Hölle selbst erzeugter Gewalttätigkeit einander gegenüber? Warum sind wir der Gewalt und der Gier noch nicht entwachsen? In der biologischen Zeitrechnung bewegen wir uns ziemlich rasant auf den Augenblick dieser Selbsterkenntnis zu, die für jeden bereitsteht. Lasst uns einmal sehen, wie weit wir gekommen sind.

 

Vor nicht allzu langer Zeit lebten wir in kleinen Gruppen, in etwas, was wir als Vor-Ego-Stadium bezeichnen könnten. Die Gruppe, ob Familie, Clan oder Stamm, bildete die Überlebenseinheit. Für das Überleben der Einheit war Individualität nicht förderlich. Der Schwarm war alles und Individualität bedeutete nichts. Die Funktion war wichtiger als die Person. Vielleicht warst du ein Pflanzer oder ein Sammler oder die Jungfrau, die geopfert wurde. Es war nicht Maria oder Susi, die geopfert wurde, sondern „die Jungfrau“. Deine Rolle im Funktionieren der Gruppe bestimmte, wer du warst.

 

Im Westen, vor nur ein paar hundert Jahren, entwickelte sich das Bewusstsein weiter und durchlief im Vorfeld der Amerikanischen Revolution das Zeitalter der Aufklärung. Hier liegt der Fokus nun auf dem Individuum. Es geht um die Person. Wir haben alle das Recht und die Befähigung, Individuum zu sein. Das ist ein riesiger Sprung des menschlichen Bewusstseins. Die Individuation und die Feier des Selbst führten schnell zur Aufblähung des Ego: „Jetzt bin ich jemand und ich will etwas.“

 

Der eigentliche Witz der Individuation ist verankert in unserer Unabhängigkeitserklärung, die besagt, dass wir „das Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück“ haben. Nicht Glück ‒ sondern das Streben nach Glück. Der größte Witz daran ist natürlich, dass du, je mehr du nach Glück strebst, um so unglücklicher wirst. Das wird erkannt, wenn das Streben nach Glück nicht zu wahrer Erfüllung führt. Dieses Scheitern des Ego daran, sich selbst zu befriedigen, führt zu Entfremdung. Es ist das entfremdete Ego, das sich nach Erkenntnis sehnt.

 

Das Scheitern des Strebens nach Glück zu erkennen, zeigt einen enormen Bewusstseinswandel an, ein Bewusstsein, wie es unsere Gründungsväter noch nicht hatten. Es dämmerte erst in den 1960er Jahren in unserer Wahrnehmung herauf. Das Streben nach Glück war in vollem Gang und erreichte seinen Höhepunkt in den 1950er Jahren. Der amerikanische Konsumententraum zerbrach für den größten Teil der 60er-Generation wie eine hohle Form. Die meisten Eltern der 50er Jahre hatten nie etwas von Erkenntnis gehört und wären auch nicht daran interessiert gewesen, wenn sie es hätten. Sie waren hauptsächlich damit beschäftigt einen Traum zu erfüllen, um zu sehen, ob er zum Glück führt. Er tat es nicht. Und so entwickelte sich das Bewusstsein weiter.

 

Wir begannen im Vor-Ego-Stadium, wo es um ein Rollendasein ging, entwickelten uns dann fort zur Individuation oder zum Ego und gelangen nun zu der Möglichkeit, das Ego zu transzendieren. Diese Möglichkeit, der Transzendenz des Persönlichen erwächst aus der Erkenntnis, dass persönliches Streben nach Glück nicht zu Glück führt. Es ist welterschütternd, es ist unfassbar, wenn du das erkennst. Dann kannst du anhalten und reflektieren: „Was führt zu Glück? Worum geht es in meinem Leben wirklich, wenn nicht um das Streben nach Glück?“

 

Auf der Stufe der Prä-Individuation geht es im Leben um Fortpflanzung und darum, die nächste Generation am Leben zu erhalten. Du vermehrst dich, gibst deine Gene weiter, hältst die Kinder durch den Schutz der Gruppe am Leben, und das ist deine Aufgabe. Sobald sich das Bewusstsein zur Individuation entwickelt, gibt es einen kleinen Unterschied in der Selbstwahrnehmung: „Ich bin nicht nur ein Reproduzent, nicht nur ein Brüter, sondern kann meinen eigenen poetischen oder künstlerischen Ausdruck entwickeln in was auch immer ich verfolge, um glücklich zu werden.“ Aufzucht und Überleben sind zwar immer noch vorherrschend. Sämtliche familiären, gruppen- oder gesellschaftsbezogenen Rollen nehmen noch ihren Platz ein, sind aber jetzt überlagert von einer persönlichen Geschichte mit einem persönlichen Schicksal. Es ist dieses Empfinden eines egohaften Selbst, was schließlich irgendwann entfremdet und vom Leben enttäuscht ist. Entfremdung und Enttäuschung können die Türen aufstoßen für eine Sicht auf das, was jenseits davon ist.

 

Wozu unsere einzigartige Zeit uns aufruft, ist das Opfer des persönlichen Strebens nach Glück zugunsten von etwas Tieferem, Tiefgründigeren und Grundlegenderen, was dein Leben wirklich lohnend macht. Das Ergebnis ist wahre Erfüllung und Glück, das nicht von Umständen abhängig ist.

 

Jetzt haben wir die Stufe erreicht, auf der das, was das Leben lohnenswert sein lässt, zu der Wahrheit erwacht, wer du als bewusstes, unsterbliches, intelligentes Wesen wirklich bist. Das ist die revolutionäre Vorreiterposition des Bewusstseins: die Wahrheit deiner selbst zu erkennen, dir treu zu bleiben und schließlich du selbst zu sein. Frei du selbst sein in der Welt.

 

Wahren Frieden und Freiheit in die Welt bringen, beginnt bei dir als Individuum. Deine Rollen sind noch da, deine Persönlichkeit ist noch gegenwärtig. So wie jedes unserer drei Gehirne sich auf der Grundlage des darunterliegenden entwickelt hat und das vorhergehende mit einschließt, so schließt auch diese Evolution des Bewusstseins das mit ein, was vorher war.

 

Wenn du dich selbst als leeres, unsterbliches Bewusstsein erkennst, dienen dein Herz und deine Erkenntnis dem Ganzen. Deine Erkenntnis dient allen Wesen. Es macht dein Leben lohnend. Es gibt dem Leben Bedeutung. Dieser Bewusstseinsfunke wird dann von Herz zu Herz weitergegeben, wie ein Steppenfeuer. Es brennt in deinem Herzen und die Glut wirft Funken, die dann andere Herzen entzünden, nicht durch Predigen oder Lehren, sondern einfach durch dein du selbst in Stille sein. Auf diese Art wird die heilige Übermittlung des Friedens an alle Wesen auf der Welt weitergegeben, und jeder von uns ist ein Funke in diesem weltweiten Spiel des Feuers der Liebe.

Was sonst wäre der Sinn unseres Lebens? Babys haben? Für die meisten Menschen ist es das. Erfolgreich Karriere machen? Viel Geld haben? Viele spirituelle oder sonstige Erfahrungen? Viele Liebhaber oder Wanderungen oder Sonnenuntergänge? Wer erinnert die schönen Sonnenuntergänge unserer Großeltern? Wer erinnert die großartigen Mahlzeiten unserer Eltern? Was ist es wirklich, was dein Leben lohnend macht? Was ist wahre Erfüllung?

 

Dafür sind wir hier. Es kann keinen Frieden ohne wahre Erfüllung geben. Solange du nicht in dir selbst erfüllt bist, ist da kein Frieden. Wenn kein Frieden in deinem Herzen ist, ist kein Frieden in deinen Beziehungen. Wahrer Frieden kommt aus wahrer Erfüllung. Und wahre Erfüllung kommt von der direkten Erkenntnis der Wahrheit. Diese Erkenntnis gibt allem Bedeutung. Dem, weshalb wir leben, dem, was es bedeutet, ein Mensch zu sein, dem, was es bedeutet, eine Lebensform auf dem Planeten Erde zu sein. Dem, was es bedeutet, ein Teil dieses geheimnisvollen göttlichen Schauspiels zu sein.

 

Der einfachste und direkteste Weg, die Wahrheit zu erkennen, ist, still zu sein. Reglos zu sein. Aufzuhören zu denken, wenigstens für einen Augenblick. Gib alle Gedanken auf um herauszufinden, was vor dem Gedanken liegt und vor der Biologie. Gedanken sind von der Biologie abhängig, aber wer du bist, ist vorbiologisch. Um herauszufinden, wer du bist, löst du dich von der Körperidentität, indem du aufhörst zu denken. In der Süße der Stille wird erkannt, dass Stille immer hier ist, immer verfügbar. Stille ist hier im Lärm, hier in Gedanken, sie ist hier in Verwirrung, in Wut, im Kummer, im Leben und im Tod. Immer gegenwärtig. Dann erkenne, dass Stille dein eigenes Selbst ist. Du bist immer gegenwärtig als Stille.

 

Jeder von uns hat, aufgrund einer göttlichen Gnade, die Fähigkeit, dies zu erkennen. In der Erkenntnis der Wahrheit deines Seins strahlst du auf natürliche Weise Frieden aus und die Welt steckt sich davon an, einer nach dem anderen, von Herz zu Herz. Vielleicht erleben wir persönlich es nicht mehr, dass die Welt in einem universellen Bewusstsein von Liebe und Freiheit aufleuchtet, aber wir haben unsere Rollen in diesem Passionsspiel gespielt. Wir können die Flamme jetzt gerade wachsen sehen, während sie sich von Herz zu Herz verbreitet.