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Gangaji und ich sind gerade in Amsterdam. Wir lieben es hier. Ebenso wie die Menschen und die Kultur lieben wir auch die Freiheit hier. Die Niederlande sind vielleicht die fortschrittlichste Gesellschaft in Bezug auf den Schutz sowohl der persönlichen Freiheit als auch des  demokratischen Gemeinwesens. Als Gesellschaften könnten wir wahrscheinlich alle von den Holländern etwas lernen.

 

Der tiefste Ruf nach Freiheit steigt in uns allen auf. Manchmal wird er von unseren eigenen inneren Mechanismen unterdrückt. Wir überdecken und ignorieren ihn zugunsten von  Sicherheit oder Bequemlichkeit oder um geliebt zu werden. Aber er schlägt in allen Herzen.

 

Dieser Ruf nach Freiheit ist nun in Iran hervorgebrochen. Wenn wir uns an Rumis große Liebesgedichte der Freiheit erinnern, hören wir die persische Seele, die in Liebe mit der Liebe, der Freiheit und der Wahrheit ist. Schon auf seinem Höhepunkt vor Tausenden von Jahren war das persische Reich als das toleranteste seiner Zeit bekannt, denn es gewährte den alliierten Staaten Religionsfreiheit und kulturelle Identität, wie auch die Freiheit, den Staatenbund zu verlassen.



 

Aber politische Freiheit, wie wir sie kennen, ist ein höchst modernes Phänomen. Ich habe kürzlich über Thomas Paine gelesen. Er war zwar immer ein Held für mich gewesen, aber ich hatte keine Ahnung, in welchem Ausmaß er für die Amerikanische Revolution verantwortlich war. Es war Thomas Paine, der in Valley Forge, am Tiefpunkt unserer Revolution, den Spruch tat: „Dies sind die Zeiten, die die Seelen der Menschen in Versuchung führen.“ Und er stellte die Frage, ob wir nur Gutwetterpatrioten und Sommersoldaten seien oder bereit, jeden Preis für die Verteidigung der Freiheit in Kauf zu nehmen.

 

Wenn wir heute in Teheran wären, was würden wir tun? Würden wir sagen: “Tja, ich würde meine Arbeit verlieren“, oder „Was wird mit den Kindern“, um uns von der Straße fernzuhalten? Das ist ein entscheidender Augenblick im Leben eines jeden Menschen und jeder von uns  muss die Wahl treffen, ob er seinem Herzen dient oder seinem Mind. Das bedeutet nicht, dass es darauf eine richtige Antwort gibt. Für manche bedeutet dem Herzen zu folgen, daheim zu bleiben, für andere das Gegenteil. Niemand kann beurteilen, was ein anderer tun sollte und was nicht. Nicht  am Verhalten, sondern vielmehr an unserer inneren Antwort können wir die Prüfungen unseres Herzens erkennen. 

 

 Wir sind eins mit den Brüdern und Schwestern, überall wo sie für politische Freiheit kämpfen. Was wir anbieten können ist, den brennenden Wunsch nach Freiheit in unser eigenes Herz aufzunehmen, unseren eigenen Unterdrückungs- und Verdrängungsmächten ins Gesicht zu sehen. Was hält uns davon ab, uns vollständig der Freiheit und Liebe, die bereits da sind, hinzugeben? Wir können untersuchen, ob dieser Wunsch von dem Wunsch nach Sicherheit oder dem Bedürfnis nach Anpassung nieder gehalten und unterdrückt wird. Wir können uns selbst prüfen und diesem brennenden Wunsch nach Freiheit treu bleiben. Wir können uns diesem Ruf vollständig hingeben und erkennen, dass wir diese Flamme der Freiheit sind. Wir sind lebendig und frei und verkörpert in dieser Form. So wird jeder von uns zu einem brennenden Leuchtfeuer, das die Nacht erhellt und andere auf ihrem Weg nach Hause führt.