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Baden Baden, Deutschland

 

Sechzig von uns trafen sich, um die Schleier zu lüften. Wir kamen als Coaches, Trainer, Therapeuten, Mütter, Grafiker, Piloten und anderes mehr. Wir sahen durch die Schleier hindurch auf das, was von jeder Identität unberührt ist. Wir haben entdeckt, was es heißt, ein wahrer Freund zu sein und erkannten die Macht  der Trancearbeit, unerledigte Aufgaben aufzudecken und zu Ende zu bringen, die uns selbst nach vielen tiefen und tiefgründigen Einsichten an unserer unerlösten Ego-Identität festhalten lassen.

 

Für mich bedeutete diese Veranstaltung auch, zum Ausgangspunkt meiner

Lehre zurückzukehren. Bevor ich meinen geliebten Papaji traf, den Spender von Stille und Befreier aller Seelen, hatte ich ein Jahrzehnt lang mit Trancearbeit und dem Enneagramm gearbeitet, um das Erwachen aus der Trance der persönlichen Identität zu unterstützen.

 

An der Resonanz der Menschen darauf erkenne ich die Nützlichkeit dieser Arbeit. Daher werde ich „Die Schleier lüften“ und vieles mehr in die amerikanische 3-Jahres-Intensiv-Gruppe einarbeiten. Das hat im August mit sehr guten Ergebnissen begonnen. Ich wurde nach dem letzten Retreat in Baden Baden auch gebeten, hier eine 3-Jahres-Intensiv-Gruppe anzubieten, die den Schwerpunkt haben wird, die Einsichten und Methoden dieser Arbeit weiterzugeben. Sie wird nächsten September beginnen.

Ich hätte mir nicht vorstellen können, meine Lehrtätigkeit fortzusetzen, so wie der Zustand meines Körpers vor zwei Jahren gewesen ist. Noch weniger hätte ich mir vorstellen können, „Die Schleier lüften“ zu unterrichten.

 

Durch welches  Geheimnis der Projektionskraft des Mind nimmt wohl alles wieder seine Form an und setzt sein Spiel fort? Ein Geheimnis voller Dankbarkeit.

Ich füge eine Emailkorrespondenz an zwischen mir und jemandem, der das Retreat besucht hat. Und ein paar Fotos, die ich in Baden Baden gemacht habe. (Das Baby nahm meinen Blick einfach im Vorübergehen gefangen.)

 

In tiefer Liebe und Dankbarkeit für alles,

Eli




Lieber Eli,

ich möchte mit dir teilen, was seit dem Retreat in Baden Baden geschieht, das so ein überwältigendes Geschenk für mich war und immer noch ist.

Als ich bei dir vorne saß, sprachst du von Albträumen, die vielleicht in dieser Nacht auftauchen könnten. Und es passierte etwas wirklich Seltsames, nicht während ich schlief, es war kein Traum, denn ich wachte sehr früh auf, so gegen 3.30 Uhr, und ich wusste sofort nach dem Aufwachen, dass die Albträume, die du erwähnt hattest, nun kommen würden.

Mein Bewusstseinszustand veränderte sich irgendwie und ich befand mich als Jude während des 2. Weltkrieges in einem Konzentrationslager und ging mit anderen Juden auf eine Gaskammer zu. Ich jedoch ging nicht hinein, um dort zu sterben, weil ich - aus welchem Grund auch immer - die Menschen nur dorthin brachte und wusste, dass sie dort sterben werden. Es war wie eine Art “Arbeit”, die ich da verrichtete, in dem Wissen, dass, wenn ich es nicht machen würde, ich dort ebenfalls sterben würde. Nach dem Tod der Menschen in der Gaskammer gehörte zu meiner “Arbeit” auch, die toten Körper nach draußen und an einen Ort zu bringen, wo sie vergraben wurden. Ich weiß nicht, wie lange und wie oft ich diese “Arbeit” verrichtet habe, aber am Ende starb ich wie die anderen Juden in der Gaskammer.

 

Nachdem ich dies wie einen Film gesehen hatte und gleichzeitig aber auch ein Teil dieses Filmes war, hörte er auf und ich hatte Zeit, das zu integrieren und daraus zu lernen. Plötzlich verstand ich diese tiefe, tiefe Schuld, die ich schon mein ganzes Leben lang fühlte, all die Angst und Panik zu sterben, all die Gefühle, an irgendetwas zu ersticken und nicht ausreichend Luft zu bekommen. Ich verstand sofort, warum ich schon mein ganzes Leben lang so tief mit dem Holocaust verbunden war und warum er mich so tief berührte, wann immer ich damit in Berührung kam. Warum ich all diese Schuld fühlte, wann immer ich Juden traf.

 

Danach begann ein neuer Film und ich befand mich im Mittelalter, wo ich hingerichtet ein und  gefoltert wurde, weil ich eine Hexe war und dafür starb. Dann sah ich mich als Inkarnation eines Insektes und eines Fisches im Wasser und bekam schließlich einige Einsichten, als ich mich in Indien sah, wie ich in einer Höhle saß und tief in Meditation versunken war. Danach stoppte der Film wieder, um mir Zeit zu geben, daraus zu lernen und zu integrieren, was ich gesehen hatte.

 

Nachdem ich all das gesehen hatte, wusste ich mit Sicherheit  tief in meinem Herzen, dass dieser Körper, dieser Mind, diese Gefühle, dies alles ... niemals das ist, wer ich wirklich bin. Dann kam das normale Bewusstsein wieder zurück und ich befand mich wieder in Maya, in Leela, in Trance, aber jetzt mit dem tiefen und sicheren Wissen, was wirklich ist. Es war überwältigend und ich werde niemals in der Lage sein, mit Worten zu beschreiben, was ich dort wirklich gesehen und erfahren habe. Seit diesem Augenblick hat sich in mir alles verändert und alles, was ich möchte, ist die Wahrheit. Alles andere ist irrelevant.

 

Jetzt nach dem Retreat scheint es für mich so, als hätte ich dich seitdem nie verlassen oder als hättest du mich nie verlassen. Zum ersten Mal beginne ich zu “verstehen”, nicht mit dem Mind, sondern mit meinem Herzen, was es bedeutet, dass der Lehrer, der vor dir erscheint, dein eigenes Selbst ist, das dich sieht, dich kennt und dich liebt. Denn das ist genau, was ich mit dir erfahre. Als mein Selbst bist du immer bei mir und ich bin immer bei dir, es gibt keine Trennung, keine Entfernung, sondern nur das gleiche Herz, das gleiche Bewusstsein, die gleiche Leere, die gleiche Stille. Oh wow!

 

Und so haben sich all meine Sorgen darüber, was passieren wird, wenn das Retreat zu Ende ist und du gegangen bist und ich zurück in meinem täglichen Leben und seinen Aktivitäten bin, sowie die Sorge darüber, all die Stille, die Freude und Liebe, die ich so tief während dem Retreat gefunden habe, wieder zu verlieren, einfach aufgelöst und zu meiner Überraschung und jetzt zu meiner großen Freude und Glückseligkeit vertiefen sie sich sogar mehr und mehr und ich empfinde Ehrfurcht für das, was in mir geschieht.

 

Natürlich kommt auch der Mind mit seinen Gedanken und Geschichten und Ängsten zurück, aber auch das ist einfach ein Lehrer für mich und eine Einladung, tiefer zu gehen und nicht wie zuvor etwas, das ich bekämpfen muss. Das allein bringt so viel Freiheit, Frieden und Stille, wie ich sie nie zuvor erfahren habe.

 

Ich werde so von meinem Selbst mit Stille und Leere, mit Liebe und Freude beschenkt und überschüttet, sogar wenn ich mich an Orten befinde, die total mit Menschen überfüllt sind, oder die sehr laut und hektisch und stressig sind oder wenn ich mich in sehr herausfordernden und schwierigen Umständen oder Situationen befinde, dass ich manchmal weinend vor Dankbarkeit, Liebe und Glück über all diese Geschenke, die ich erhalte, dastehe.

 

Wenn ich alleine bin und zu Hause oder in Natur spazieren gehe, löst sich das “ich” mehr und mehr auf und ich sehe mich dann gehen oder sitzen oder tun, was auch immer ich tue, aber das bin nicht ich, die all das tut, die handelt. Da ist niemand, der all diese Aktivitäten ausführt, es gibt keine Aktivitäten, es gibt keine Objekte, mit denen ich irgendetwas tun muss. Es gibt nur Leere, Stille, Frieden, Liebe und Bewusstsein und aus dem heraus kommen die Handlungen, Gedanken oder Gefühle. Alles ist perfekt, es gibt nichts, das anders sein müsste, nichts, das in Ordnung gebracht werden müsste, nichts, das geändert werden müsste, alles ist, wie es sein soll, alles ist Ausdruck einer überfließenden Liebe, egal welche Form sie annimmt, auch wenn es die hässlichste und ekligste ist ...

 

Nach all dem ist es sehr schmerzhaft, mich wieder im Ego-Mind zu befinden, im Angst-Mind, in der Fixierung, mein Selbst wieder mit Zweifeln und Ängsten und Geschichten zu belügen und zu verleugnen und nicht in der Lage zu sein, das alles vollständig gehen zu lassen. Aber wie ich schon sagte, habe ich aufgehört, damit zu kämpfen und so passiert es, sogar Stille in den alten Gewohnheiten und den angespannten Zuständen des Angst-/Ego-Mind zu finden. Diese Entdeckung und Erfahrung ist wirklich überwältigend. Stille ist überall, nichts ist getrennt von ihr, sie schließt alles mit ein!

 

Ich danke dir von ganzen Herzen so sehr und schicke dir meine tiefe, tiefe Liebe und Dankbarkeit.

Gabi

 

Liebste Gabi,

 

Ich bin so glücklich über deinen Bericht und die guten Nachrichten!

Herzlichen Dank, dass du mich das wissen lässt.

Ich würde gerne einen Teil deiner E-mail auf unsere Webseite als Teil der Berichte der europäischen Sangha stellen. Bist du damit einverstanden?

Du bist eine Inspiration für alle, die dich treffen, wenn dein Mind still und dein Herz offen ist.

 

In tiefer Liebe und Freude - Eli




Liebster Eli,


aber jetzt die letzte bezüglich dieser Sache! ;-)


Zuerst wollte ich nicht, dass du meinen Namen benutzt. Jetzt nimm von der E-Mail, was dir hilfreich erscheint, mit Namen oder ohne. Es macht nichts aus, es hat ohnehin nichts mit dem zu tun, wer ich wirklich bin. Aber bei deiner Frage fühlte ich, wie Stolz und Arroganz in mir hochstiegen, eine Art von Jetzt-Bin-Ich-Etwas-Besonderes und ich dachte, ohne Namen würde das nicht da sein, würde es verschwinden. Aber das geschah natürlich nicht. ;-)


Aber es passierte, als ich aufhörte, es zu berühren, als ich aufhörte, dem irgendeine Bedeutung zu geben. Dann endlich löste sich die Arroganz und der Stolz und all die eingebildeten Vorstellungen, etwas Besonderes zu sein, auf! Wenn ich den Gedanken folge, bin ich an Zeit und Raum gebunden, an Mich und Mein, an Konzepte und Ideen, an die Trennung von ich und du, an glücklich sein und unglücklich sein.... wenn ich keinen Gedanken berühre, wenn ich dem Mind nicht erlaube, irgendwo zu landen, dann ist da nur Raum und Leere und Stille, kein Wissen über irgendetwas, keine Konzepte, keine Ideen, keine Zukunft, keine Vergangenheit, nicht einmal Gegenwart. Da ist totale Freiheit, nur das Selbst, das sich niemals verändert, niemals kommt und geht, niemals stirbt. Und dieses Selbst ist überall, in jeder Form, in jedem Klang, in allem. Alles ist eins, niemals getrennt. Wenn ich versuche, danach zu greifen und es festzuhalten, verschwindet es, ich kann es nur SEIN. Was für eine Offenbarung!


Vielen Dank für diesen schönen Test! ;-)


In tiefer Liebe


Gabi