Language

 



Aussie-Bericht

Unsere Tour hier in Australien nähert sich dem Ende. Wir lieben die Menschen, die Kultur und die Landschaft. Die Sangha hier ist tief und wahrhaftig. Viele Menschen haben berichtet, dass sie Gangaji zum ersten Mal vor fünfzehn Jahren in ihrem Blue-Mountain-Retreat trafen.

 

Ein College-Professor der Hochschule für Pazifische und Asiatische Studien der Nationalen Universität Australiens in Canberra hatte seiner neuen Ehefrau erzählt, wie er zum Radikalen geworden war. Er hatte meinen Namen erwähnt, sie googelte mich und so flog er nach Sydney zum Satsang und Abendessen. Pete, damals noch „Dr. Van Ness“, war mein Mentor gewesen und für meine Diplomarbeit an der Hochschule für Internationale Studien in Denver verantwortlich. (Condi Rice war ein paar Jahre unter mir und er meinte dazu, sie sei eine Liberale gewesen, bevor sie dann zur dunklen Seite überwechselte). Als ich ihn zuletzt in einer Klassenzimmer-Situation sah, war mein Name Elliot Zeldow. Ich war dreiundzwanzig Jahre alt. Ich trat ins Klassenzimmer mit einer Kanne Wein und einem Joint bewaffnet, um zu verkünden, dass wir den Lehrbetrieb nun einstellen und auf dem Campusrasen Woodstock West aufziehen würden. Es war das Frühjahr 1970 und wir protestierten gegen die Gerichtsverhandlung von Bobby Seal von den Black Panthern und gegen Nixons Ankündigung der illegalen Bombardierung Kambodschas. (Es war während dieser landesweiten Proteste, dass Studenten an der Kent State erschossen wurden.)

 

Pete kam zum Satsang und er war zutiefst aufmerksam. Er wollte wissen, wie sich mein Leben entwickelt hatte. Es war so ein Geschenk, ihn zu sehen und zu lieben. Ich bin so dankbar für alles, was er für mich in meinem früheren Leben vor beinahe vierzig Jahren getan hat. Ich war zweiundzwanzig und hatte in einem Stahlwerk in Pittsburgh gearbeitet, als meine damalige Frau eine Hochschulbewerbung für mich einreichte. Die Hochschule für Internationale Studien nahm mich auf und brachte mich nach Westen und Pete gab mir freie Hand dafür, meine Interessen weiter zu verfolgen. Ich vertiefte mich ganz in das Thema China, Petes Fachgebiet, und dieser Einfluss blieb mein ganzes Leben lang bestehen. (Man kann sich seine Überraschung darüber gar nicht vorstellen, dass ich in den frühen achtziger Jahren Händler für Malerei der Ming Dynastie war und dass es Werke in einem Museum gibt, die „Eli Jaxon-Bear“ zugerechnet werden!) Um dieser Geschichte auf Papaji zu kommen, brauchte es allerdings ein Abendessen und ein paar Gläser Wein. Es kamen vierzig Jahre Erinnerungen hoch und heraus. Da ich Wein nicht gewöhnt war und in ihm ein offenes Ohr fand, schwatzte ich die ganze Zeit.

 

Während ich hier bin, bekomme ich meine wöchentliche Chemotherapie. Es ist sehr interessant, die unterschiedlichen örtlichen Behandlungsvorschriften zu sehen. In Australien hat in kein Mensch einen zweifachen Port in seinem Brustkorb, und so kamen Krankenschwestern vorbei, um sich meinen anzusehen. In Sydney fragten sie, dass ich mich für die Behandlung ins Bett lege. In Melbourne setzten sie mich in eine Art Friseur-Sessel und pumpten mich in die Höhe. Auch die Hygienevorschriften unterscheiden sich sehr. Nun noch eine kleine schockierende Information darüber, wie uns die Pharmaindustrie abkassiert. In den Vereinigten Staaten bekomme ich das Medikament nur in einer Spritze zu sehen. Hier muss ich es selbst kaufen, bevor es verabreicht wird und bekam es deshalb zu sehen, wie es tatsächlich ist, in einer Ampulle. Eine Ampulle kostet rund zweitausend Dollar. Meine Dosierung, die nach Körpergewicht bemessen wird, ist ziemlich hoch, ungefähr ein halbes Fläschchen, und der Rest wird ‒ weggeworfen! Das Pharmaunternehmen stellt die Ampullen nur in einer Einheitsgröße her, die vermutlich niemand je in einer einmaligen Dosis verbrauchen kann. Die Verschwendung ist irrsinnig. Die gute Nachricht sind die gutherzigen Menschen, die ich in den Behandlungsräumen getroffen habe. Die Krankenschwestern, Mitarbeiter und Patienten sind offen, freundlich und hilfsbereit.

 

Jill und Tim waren großartig auf der Tour. Beide sind so bereitwillig und ungezwungen. Sie haben in jeder Stadt mit Teams von Freiwilligen zusammengearbeitet und sich um alles gekümmert, was auftauchte. Jill hat tausende von Fotos beim Satsang gemacht. Wir haben ein paar davon auf die Webseite gestellt. Obwohl ich mich vor zwanzig Jahren einmal für den Besuch in einem Altenheim als Santa Claus verkleidet habe, tu ich mich mit Weihnachten ein wenig schwer. Wie Ali G schon sagte: „Ist es nicht ein Wunder, dass Jesus an Weihnachten geboren wurde? Und deshalb gab es ja auch keinen Platz in dem Gasthaus, stimmt´s?“ Wir werden hier nicht mit Weihnachtsgeklimpere bombardiert. Einmal an Weihnachten in Oz fuhren wir Fahrrad im Park zwischen Fluss und Strand, wo Familien ganz ruhig ihr Weihnachtsessen als Picknick im Gras zu sich nahmen. Das fühlte sich beinahe an wie 19. Jahrhundert und war das beste Weihnachten, das ich je hatte. Also bitte verzeih mir, dass ich keine guten Wünsche verschicke etc. oder dass ich nichts für dich kaufe. = : 0

 

In tiefer Liebe und Frieden für alle Wesen,

 

Eli