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Connections Magazine Artikel
Eli Jaxon-Bear
April 2011


Wir alle lachen gerne. Währenddessen denken wir nicht, und dieser kurze Urlaub vom Denken trägt zu dem Gefühl des Glücks bei, das wir beim Lachen haben. Eli Jaxon Bear stammt aus einer jüdischen Familie in New York. Seit 1993 lehrt er den Advaita Vedanta. Hier erzählt er, wie sein Humor sich von der Selbstverteidigung zur Selbsttranszendenz hin entwickelte.


Wenn du bei der Rückschau auf das, was du für dei n Leben gehalten hast , so laut lachen musst , dass du dabei kaum mehr at men kannst, ist das ein Zeichen, dass dein Erwachen real ist. An einem Punkt in unserer Beziehung wies meine Frau mich darauf hin, dass ich eine negative Persönlichkeit hätte. Ich war schockiert. Ich war ja nicht mehr die aggressive Persönlichkeit wie früher, deshalb wusste ich nicht, was sie meinte. Also entschied ich mich, mir jedes Mal zu notieren, wenn ich wieder negativ war. Zunächst bemerkte ich es nicht. Zum Beispiel sagte sie, »Das ist negativ«, wenn ich dachte, ich sei witzig. Da wurde mir klar, was für eine Art von Humor ich da als Kind erlernt hatte. Als ich es untersuchte, merkte ich, dass es Sarkasmus ist. Es war eine subtile Herabsetzung. Als ich dem weiter nachging, wurde mir bewusst, dass mein aggressiver Humor in Angst begründet war.

Wenn man auf den Straßen von New York aufwuchs, war es wichtig, sich nie als leichtgläubig zu erweisen. Man durfte keinem Gelegenheit geben, einen hereinzulegen. Zynismus hingegen war ein Zeichen, dass man den Trick kommen sah. Um nicht zum Opfer von Belustigungen und Demütigungen zu werden, wurde ich zu einem Schlaumeier. Dieses Muster blieb bei mir für den größten Teil meines Lebens. Es blieb so lange, bis ich begann, es mir bewusst zu machen. Am ersten Tag, da ich meinem negativen Humor auf der Spur war, bemerkte ich es ein halbes Dutzend mal. Bald aber gab es Tage, an denen mein Notizblock in Sachen Negativität leer blieb. Ich fühlte mich unschuldiger und befreit von Beurteilung auf einer Ebene, auf der ich die Beurteilungen nicht einmal bemerkt hatte.

Auf der anderen Seite ist das Lachen eine große Medizin. Ich erinnnere mich gut an eine Situation während einer heftigen Chemo-Therapie, als ich auch Blutplasma bekam. Ich sah, dass das Blut aus Oklahoma kam, und die Krankenschwestern sagten mir, dass es meinen Musikgeschmack ändern würde. Es würde dazu führen, dass ich auf einmal Countrymusik mögen würde und alle diese Cowboy-Lieder. Wir lachten so laut, dass der ganze Raum davon angesteckt wurde, bald lachten alle, als sie ihre Infusionen erhielten. Auch mein Doktor nutzte die Situation aus. Er kam von der Medizinfakultät in Heidelberg, und wenn er etwas Neues bei mir versuchen wollte, sagte er, er würde ein bisschen »Mengele« an mir ausprobieren.


Während es leicht ist, über jemand anderen zu lachen, ist es ein Zeichen wirklicher Reife, über sich selbst zu lachen. Wenn wir über alles das, was wir im Leben so ernst genommen haben, lachen können, dann sind wir davon frei. Wenn wir aus vollem Herzen über uns selbst lachen, dann sind wir frei von den Beschränkungen der Selbstgewissheit. Obwohl alles Lachen vorüber geht – es ist  mmer nur ein kurzer Zust and der Glückseligkeit –, deutet es die Möglichkeit eines Lebens an, in dem wir nichts mehr persönlich nehmen. Darin sind wir dann frei. Etwas nicht persönlich nehmen ist etwas ganz anderes als etwas nicht ernst nehmen. Das Leben ist todernst. Niemand kommt da lebend raus. Wenn du dich voll ins Leben hineinwirfst, ohne Rückhalt und ohne es persönlich zu nehmen, wird das Leben dich in unvorstellbarer Weise mitnehmen. Du wirst gestreckt und geschubst werden und gezogen, und du wirst Kanten und Ränder finden, deren Existenz du nicht einmal geahnt hattest, bevor du über sie gestürzt bist. Wenn du das voll ernst nehmen kann, als Test, der ein Leben lang andauert, wirst du in die unermessliche Tiefe von dir selbst eintauchen. Wenn du weiterlachen kannst , während du über die Kante stürzt, wird dein Leben Kunst sein.


Ich möchte das mit einer kleinen Geschichte abschließen. Eines Tages geht eine ältere Frau in New York in ein Reisebüro und verlangt ein Ticket nach Nepal. Dort versucht man jedoch, sie davon abzubringen: »Fahren Sie doch lieber an einen Platz, an dem es warm ist und die Sonne scheint!« Aber sie besteht darauf und sagt: »Ich will den Guru sehen!« Als sie in Nepal ankommt, bietet man ihr alle Arten von Sightseeing an, aber sie schlägt alles aus. Sie bestellt einen Sherpa und will mit ihm in die Berge, um »den Guru zu finden«. Schließlich kommt sie, hoch in den Bergen, am Kloster an. Man sagt ihr, der Guru sei in einem Meditationsretreat und würde nicht herauskommen. Sie weigert sich jedoch zu gehen, ehe sie den Guru gesehen hätte. Schließlich willigen seine Jünger ein, dass sie ihn sehen könne, aber nur für eine Minute, und sie dürfe nur vier Worte sagen. Als der Guru kommt, sagt sie: »Eli, komm nach Hause!«