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Als ich 1987 mein erstes Buch über das Enneagramm schrieb, gab es nur ein einziges anderes Buch zu diesem Thema. Es war aus jesuitischer Perspektive verfasst und beschrieb das Enneagramm in Begriffen von Jesus. In meinem Buch versuchte ich das Enneagramm zugänglicher zu machen und auf seinen Nutzen bei der Überwindung der Fixierung hinzuweisen. Zu diesem Zeitpunkt war meine eigene spirituelle Suche noch nicht zu Ende, so dass mein erstes Buch nur so weit gehen konnte, wie ich selbst gegangen war. Das jetzt vorliegende Buch wurde von zwei bedeutenden Ereignissen ausgelöst, die im Lauf des letzten Jahrzehnts geschehen sind.

Das erste und wichtigste Ereignis war die Begegnung mit Papaji - einem wahrhaftigen Lehrer, der mir zeigte, wie ich aufhören konnte, der Fixierung nachzugeben. Bevor ich diesen Lehrer traf, war mein ganzes Streben, die Fixierung aufzugeben, wenig erfolgreich.

Was ich „die Fixierung aufgeben“ nannte, nannte er „den Geist anhalten“. Ich stellte fest, dass die Fixierung nicht auftrat, wenn der Geist still ist. Bereits mehr als zwanzig Jahre vor der Begegnung mit Papaji hatte ich bereits nach einer Möglichkeit gesucht, den Geist anzuhalten. Während dieser Begegnung und der Offenbarung des Wahren Selbst stellte sich das falsche Selbst der Fixierung als neurotischer Zustand heraus, in dem der Geist an bestimmten Formen anhaftete.

Aufgrund dieser Erkenntnis wandte ich mich von der Enneagrammlehre ab. Ich wollte von nun an die Botschaft meines Lehrers weitergeben: dass wir unser Leiden sofort beenden können, indem wir den Geist anhalten und direkt und wahrhaftig erkennen, wer wir wirklich sind.

Meine Energie und Aufmerksamkeit floss in die beiden Bände „Wach auf, du bist frei“ und „Sei still“, die die Lehren von Papaji einem westlichen Publikum präsentieren. Während dieser Zeit begann meine Partnerin ebenfalls ihre Lehre bei diesem Lehrer, von dem sie den Namen Gangaji erhielt. Ich unterstützte sie und ihre Satsangs mit all meiner Aufmerksamkeit.

In der Zwischenzeit waren Dutzende Bücher zum Enneagramm und Beschreibungen der neun Fixierungen erschienen. Als ich 1994 bei der ersten Internationalen Enneagramm-Konferenz in Stanford über die Möglichkeit sprach, aus der Fixierung zu erwachen, verursachte das ziemlich viel Aufsehen. Zu diesem Zeitpunkt waren alle recht zufrieden damit und stolz darauf, sich mit der Nummer ihres Ennegramm-Typs zu identifizieren. Seitdem wurde es zwar immer populärer, über das Beenden der Fixierung zu sprechen, aber viele Ansätze gehen noch immer in die falsche Richtung.

Nun, mehr als ein Jahrzehnt später, kehre ich dahin zurück, die Grundlagen des Enneagramms zu unterrichten – in der Hoffnung, es möge der Befreiung dienen. Jedoch haben viele den Bedarf für ein weiteres Buch zu diesem Thema in Frage gestellt.

Das große Geschenk des Enneagramms ist es  zu beschreiben, was wir nicht sind. Es zeigt die Verschleierung des Wahren Bewusstseins durch ego-geleitete Identifikationsgewohnheiten. Wenn wir uns dieser Gewohnheiten des Geistes bewusst werden, können wir uns dafür entscheiden, diese falsche Identifizierung zu beenden und unser Wahres Selbst zu erkennen.

Die Auseinandersetzung mit dem Enneagramm zwang mich dazu, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen. Ich musste einer Wahrheit ins Auge blicken, die ich bis dahin vermieden hatte. Die Offenlegung meines egoistischen Strebens nach Befriedigung war eine innere Schlacht, die mich auf die Begegnung mit einem Wahren Lehrer vorbereitete. Wenn wir bereit sind, uns mit den grundlegenden Lügen, die unser Ego aufrechterhalten, zu konfrontieren,  dann ist das Enneagramm ein Spiegel der Weisheit, der uns auf das hinweist, was der Verstand nicht sehen will.

Mein brennender Wunsch ist es, dass der Leser dieses Buch dazu benutzt, sein Wahres Selbst zu erkennen. Er muss bereit sein, das bloßzulegen, was er fälschlicherweise für das eigene Selbst gehalten hat – und er muss bereit sein, tiefer zu schauen, bis er die allen Erscheinungen zugrunde liegende Schicht erkennt. Darin erkennt und erfährt er schließlich die absolute Stille seines Wahren Selbst. Hier beginnt die wahre Selbsterforschung und wahre Selbsterkenntnis wird folgen.

Mögen alle Wesen frei sein! Möge Frieden und Liebe zwischen allen Wesen des Universums sein!

Eli Jaxon-Bear