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Einleitung zu: Das spirituelle Enneagramm



Als ich 1987 mein erstes Buch über das Enneagramm schrieb, gab es nur ein einziges anderes Buch zu diesem Thema. Es war aus jesuitischer Perspektive verfasst und beschrieb das Enneagramm in Begriffen von Jesus. In meinem Buch versuchte ich das Enneagramm zugänglicher zu machen und auf seinen Nutzen bei der Überwindung der Fixierung hinzuweisen. Zu diesem Zeitpunkt war meine eigene spirituelle Suche noch nicht zu Ende, so dass mein erstes Buch nur so weit gehen konnte, wie ich selbst gegangen war. Das jetzt vorliegende Buch wurde von zwei bedeutenden Ereignissen ausgelöst, die im Lauf des letzten Jahrzehnts geschehen sind.

Das erste und wichtigste Ereignis war die Begegnung mit Papaji - einem wahrhaftigen Lehrer, der mir zeigte, wie ich aufhören konnte, der Fixierung nachzugeben. Bevor ich diesen Lehrer traf, war mein ganzes Streben, die Fixierung aufzugeben, wenig erfolgreich.

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Das Enneagramm der Charakterfixierungen



Rede von Eli Jaxon-Bear,
Stanford Universität, August 1994

"Wenn du erkennst, wer du nicht bist, dann ist es möglich aufzuwachen und zu erkennen, wer du wirklich bist!"


Mir ist noch nie jemand begegnet, der nicht glücklich sein wollte. Das Streben nach Glück ist die eine Wahrheit, die die Menschheit und vielleicht sogar alle Spezies vereint. Jeder möchte glücklich sein. Die Frage ist: Wie ist es möglich, dass dieses Streben nach Glück die Existenz unserer Spezies und sogar die von Mutter Erde bedrohen kann? Wie ist das möglich? Diese brennende Frage stelle ich mir. Und ich weiß, dass sich viele von uns die gleiche Frage stellen: Wie ist es möglich, dass das Streben nach Glück Leiden erzeugt? Auf der Suche nach einer Antwort habe ich festgestellt, dass es möglich ist, das Leiden zu beenden.

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Der Schlüssel zur Befreiung – Entdecke, wer du NICHT bist



Als ich Eli Jaxon-Bear 2002 zum ersten Mal begegnete, wusste ich sehr wenig über das Enneagramm und überhaupt nichts über die Arbeit mit tiefen Trancezuständen. Erst ein Jahr zuvor hatte ich Gangaji zum ersten Mal getroffen, deren Präsenz und Weisheit mich radikal zum Halt brachte – meine spirituelle Suche nach Erleuchtung hatte ein Ende.

Nach der Begegnung mit Gangaji war ich sehr skeptisch, ob das Enneagramm oder irgendeine andere Methode wirklich nützlich sein könnte. Was ich über das Enneagramm hörte, klang großartig hinsichtlich seiner Fähigkeit, bei der Berufswahl oder in Beziehungsdingen zu helfen, aber es hatte wenig mit der Befreiung vom Leid, dass das Ego erzeugt, zu tun.

Später im Jahr 2002 nahm Gangaji an Elis Drei-Jahres-Programm teil, einer Gruppe, die der tiefen Erforschung unserer Wahren Natur dient. Elis Enneagramm-Retreat war zu diesem Zeitpunkt Voraussetzung für die Teilnahme an der Gruppe und obwohl ich immer noch skeptisch war, meldete ich mich für das Enneagramm-Retreat an und nahm schließlich an der Drei-Jahres-Gruppe teil – dies war eine lebensverändernde Entscheidung.

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Das Enneagramm und die Tradition der Stille



Essay, 1995

Die Erkenntnis der Wahrheit

„Der Weg erfordert keine Kultivierung – verschmutze ihn einfach nicht. Was ist Verschmutzung?                     
So lange dein unbeständiger Geist Künstlichkeiten und Erfindungen fabriziert,
ist all das Verschmutzung. Wenn du den Weg direkt erkennen willst – dann ist der natürliche Geisteszustand der Weg. Was ich mit dem natürlichen Geisteszustand meine, ist der Geist ohne     Künstlichkeit, ohne subjektive Urteile, ohne Anhaftung oder Ablehnung.“

--Zenmeister Mazu Daoyi –

Wer könnte der offensichtlichen Wahrheit von Mazu widersprechen? Die Frage war jedoch immer, wie dieser erhabene Zustand zu erreichen sei.

Die große Gabe des Enneagramms besteht darin, uns eine reflektierende Oberfläche zu geben, auf der sich die künstlichen Erfindungen des Geistes spiegeln können. Verschmutzung oder der unbeständige Geist wird durch die Charakterfixierung verursacht. Anhaften, Ablehnen, subjektive Urteile und Künstlichkeit sind die Kennzeichen der Fixierung. Charakterfixierung ist die Verfestigung von Äonen von aufwallenden Begierden und Geistesfluktuationen in Form von mentaler Aktivität. Diese Verfestigung wird als „ich und meine Vergangenheit“ erlebt. Die Wellen sind Gedanken über „ich und was ich will“.

 

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Die Bewahrung der Übertragung und des spirituellen Kontexts des Enneagramms



Brief von Eli Jaxon-Bear an den Herausgeber des Gnosis Magazins, 1996


Das Interview (http://www.enneallionce.de/de/leseraum/interview-naranjo) von Claudio mit OM und einem seiner Schüler habe ich mit viel Interesse gelesen. Ich stehe zwar voll hinter Claudios Verteidigung des Enneagramms und stimme seiner Einschätzung zu, dass das Enneagramm häufig auf sehr flache, arrogante und ignorante Weise gelehrt und missbraucht wird. Trotzdem bin ich in einigen wichtigen Punkten anderer Meinung.

Oscar und Claudio beharren sehr stark auf der Bewahrung der Überlieferung und dem spirituellen Kontext der Arbeit und damit stimme ich voll überein. Die Frage ist, wie diese spirituelle Übertragung gewährleistet werden kann. Meiner Erfahrung nach ist jedes Werkzeug, das im Dienste der Befreiung steht, nützlich. Jedes Werkzeug, dass aus einem egogesteuerten Verlangen nach individueller Verbesserung heraus verwendet wird, steht letztlich nur im Dienste seines Herrn. Und wie im Fall von Hui Neng, dem Holzfäller, der spontan erwachte und zum Gründer der Plötzlichen Schule in China wurde oder Ramana Maharshi, der den Berg Arunachala als seinen geliebten Herrn anbetete, ist es ein Mysterium, wer von Gott auserwählt wird oder in welcher Form der Lehrer erscheinen mag. Oft sind die Auserwählten die, von denen wir es am wenigsten erwarten.

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Die drei Triebe und das Enneagramm



(Am Beispiel der Sechser-Fixierung)
Essay von Eli Jaxon-Bear

Jedes Tier folgt drei folgt instinktiv drei Haupttrieben. Diese Triebe sind notwendig für das Überleben unserer Spezies. Die Spezies überlebt durch das Überleben des Individuums, die Fortpflanzung des Individuums und durch Hierarchie und Rolle des Individuums innerhalb der Herde. Diese drei Triebe heißen im Enneagramm Selbsterhaltungstrieb, Sozialer und Sexueller Trieb oder Instinkt. Diese Triebe entsprechen direkt den ersten drei Chakras im indischen Yogasystem.

 

Eine Metapher, die im Kundalinisystem für die Triebe verwendet wird, ist der Drache, der Schätze anhäuft und Jungfrauen für seinen Kerker raubt, während er das Land terrorisiert. Ein eigensüchtiges, aggressives Leben ist ein Leben, das von den drei Trieben oder tierischen Instinkten gesteuert wird.

 

Solange sich das Bewusstsein mit dem Fleisch identifiziert, wird das gesamte Leben von diesen drei Trieben gelenkt. Sie halten die Fixierung auf einer Schicht unterhalb der Leidenschaft am Laufen. Die Triebe sind der Treibstoff für die Leidenschaften und solange wir uns dieser Triebe nicht bewusst sind, laufen die Leidenschaften unkontrolliert weiter.

 

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Reise in das Unbekannte Land


Artikel von Carol Wiener

Veröffentlicht 1995 in „Enneagram Monthly“

 

Als ich bei meinem ersten dreiwöchigen Retreat mit Eli Jaxon-Bear in Sedona, Arizona ankam, hatte ich keine großen Erwartungen. Im Gegenteil – ich fühlte so etwas wie Überheblichkeit, hatte das Gefühl, dass es nicht viel gab, was ich nicht bereits kannte; das ich hier nicht viel Neues finden würde. Zu diesem Schluss war ich gekommen, nachdem ich mehr als zwanzig Jahre meditiert und eine ganze Reihe von psychospirituellen und emotionalen Spielfeldern ausprobiert hatte. Nicht, dass ich spirituell übersättigt gewesen wäre – ich betrachtete mich eher als eine Art spirituellen Connaisseur.

 

Ich hatte bereits gründlich an mir gearbeitet und meine Themen meiner Kindheit und meiner Eltern mit den verschiedensten Reinigungsmitteln relativ sauber geschrubbt. Ich bin sogar mit einer Zahnbürste bis in die hintersten Ecken und Winkel meines Unterbewusstseins gekrochen und habe mich allem Dreck gestellt, der dort noch lauerte. Ich habe abgekratzt und freigeschält. Ich tat alles, was ich konnte; habe Yoga und Meditation gelernt und unterrichtet, war in Therapie und arbeitete mit Rebirthing und bin sogar nach Indien gereist. Ich habe Wohlstand, Beziehungen und erfüllte Wünsche manifestiert.

 

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Die Seele der Sechs



Essay von Eli Jaxon-Bear, 1995

 

Dieser Essay ist eine Antwort auf einen früheren Essay über die Sechser-Fixierung, der bei der Internationalen Enneagramm-Konferenz präsentiert wurde. Im ersten Essay verwendete der Autor eine Metapher, in der alle Fixierungen einen rauschenden Fluss überqueren sollen und nur einen Baumstamm als Brücke haben. Der Autor bezog sich dabei auf die Ängste und Zweifel der Sechs, an denen mit verschiedenen Techniken gearbeitet wird, um „die Sechs über die Brücke zu bekommen“. Er beschrieb auch, dass der Sechs für die Konstruktion eines Selbst der zentrale Standpunkt oder Grundstein fehlen würde.

 

Techniken können für die Verstärkung des Egos sehr wirksam sein. Mit Hilfe von Visualisierungen, Mantras, Ankerheuristik, Vorbildern, Hypnose und anderen Übungen kann die Sechser-Fixierung lernen, die Brücke zu überqueren und ihre Ängste und Zweifel zu überwinden. Aber führt dies zu wahrer Erfüllung? Bestimmt können kontraphobische Sechsen die Brücke ganz leicht und wagemutig überqueren. Macht sie das glücklicher, bringt sie das irgendwie näher an ihre Essenz? Keiner von ihnen hat das jemals bestätigt.

 

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Achten: Die Mentalität der Outlaws



Essay von Eli Jaxon-Bear, 1995

 

Die Fixierung der Acht ist der Zwei im Kern ähnlich. Die Acht stellt den Stolz zur Schau, den die Zwei so gekonnt verdeckt. Die Acht ist entweder stolz darauf, die Beste oder die Schlechteste zu sein. Dieses Zurschaustellen des Stolzes ist die Verteidigung gegen die tiefsitzende Verletzung, die aus dem Gefühl heraus entsteht, minderwertig oder nicht im Recht zu sein. Der Stolz schützt die Acht vor der Verletzung, die diese Minderwertigkeit erzeugt, und dient dazu, das eigene hedonistische Verhalten zu rechtfertigen.

 

Dieses von Begierde angetriebene Verhalten lässt sich am ehesten mit dem Satz „Und Ich?“ zusammenfassen. Der Code für die Art, wie die Acht ihre Begierde auslebt, ist: „Lass uns Spaß haben!“ Wenn es keinen Spaß macht, verliert die Acht das Interesse. Worin genau der Spaß besteht, hängt von der jeweiligen Fixierung ab. Oft bedeutet es für die Acht, das Übermaß auszuleben, das ganze Leben mit einem Bissen herunterzuschlucken und dann noch einen und noch einen und noch einen zu nehmen.

 

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