Eli
Jaxon-Bear wurde 1947 als Elliott Jay Zeldow in Brooklyn, New
York geboren. Nach einer langen achtzehnjährigen spirituellen Suche, die ihn
um die ganze Welt geführt und mit vielen Traditionen und
Praktiken vertraut gemacht hatte, zog es ihn 1990 schließlich
nach Indien, wo er seinem letzten Lehrer begegnete: Sri H.W.L.
Poonja, den er liebevoll Papaji nannte.
Papaji bestätigte Eli's Realisation und sandte ihn zurück
in die Welt, damit er seine psychologischen Einsichten in die
Natur des Ego-bezogenen Leidens mit anderen teile, um die Selbsterkenntnis
zu fördern. Wenn Eli in die Lehren des Enneagramms einführt,
geschieht dies immer in der lebendigen Übermittlung der
Stille, indem er diese einzigartige Landkarte der Ego-Identifikation
als Mittel zur rücksichtslosen Selbsterfoschung präsentiert
und der Vertiefung in der Erkenntnis von wahrhaftiger Freiheit.
Eli: "Mit der Einsicht in die Struktur des Geistes (Mind),
die das Enneagramm gewährt, gewährt es auch zunehmende
Klarheit und die Fähigkeit zu wirklicher Wachsamkeit in
der Verankerung deiner wahren Identität als intelligente
Liebe, die ohne Ursache und ohne Form ist; das, was wir Bewusstsein
oder Gott nennen."
Eli's ganzes Leben ist der Weitergabe der Transmission seines
Lehrers gewidmet.
Eli Jaxon-Bear ist Herausgeber von Wake
Up and Roar: Satsang with H.W.L. Poonja, Volumes 1 and 2 (in Deutschland erschienen
unter den Titeln Wach auf, Du bist frei und Sei
Still! Satsang
mit H.W.L. Poonja), Autor von Healing the Heart of Suffering:
The Enneagram and Spiritual Growth (in Deutschland erschienen
unter dem Titel Die neun Zahlen des Lebens) und Autor von The
Enneagram of Liberation: From fixation to freedom und Lied
der Freiheit.
Thema: Was willst du wirklich?
Das ist
die Frage, die du wohl am häufigsten stellst. Warum
ist es so wichtig, dass wir entscheiden, was wir wirklich wollen?
Was bewirkt das Stellen dieser Frage?
Zunächst einmal ist es von einschneidender Bedeutung, dass
folgendes erkannt wird: Wenn ich frage, was es wohl ist, das
du wirklich willst, dann hat das absolut nichts mit deiner vermeintlichen
Entscheidung für die Erfüllung deiner Wünsche
zu tun. Was du wirklich willst liegt viel tiefer als irgendeine
Entscheidung oder Meinung, die du dazu haben magst. Hier geht
es um den tiefsten Ruf deines Herzens und das kann nicht mit
dem Kopf entschieden werden.
Alle Entscheidungen,
die mit dem Kopf getroffen werden, gründen
auf Leiden und Versklavung. Alle Entscheidungen. Nur der tiefste
Ruf des Herzens, das tiefste Sehnen der Seele nach Freiheit ist
der Ruf dessen, was jenseits von Leiden ist.
Solange wir
nicht wissen, dass es möglich ist, wahrhaftig
frei zu sein und die Wahrheit unserer selbst als unsterbliches
Sein zu erkennen, arrangieren wir uns mit der Welt, so gut es
eben geht. Wir alle wollen Liebe, Sicherheit und Komfort, ein
Glück, das auf einem Leben aufbaut, welches uns als Kinder
anerzogen wurde. Das von uns erlernte Leben ist das Leben konditionierter
Sklaverei.
Ob wir uns
nun anpassen oder dagegen rebellieren macht gar keinen Unterschied.
So oder so sind wir in einem Netz der Fehlidentifikation und
des Leidens gefangen. Unsere Eltern haben die Wahrheit ihres
eigenen Seins nicht gekannt und konnten sie deshalb auch nicht
an uns weitergeben; ebensowenig konnten es ihre Eltern, und
so weiter bis hin zurück zur Amöbe.
Wenn wir
geboren werden, sind wir nicht selbst-bewusst. Wir sind Bewusstsein,
doch es schaut nicht auf sich selbst zurück.
Wir sind im Zustand von ozeanischem Einssein, jedoch ohne Individuation.
Mit der Individuation beginnt auch die Heranbildung des Ego und
damit einhergehend der Sinn für ein Selbst voller Wünsche
und Ängste. Ständig sind wir darauf ausgerichtet, dass
uns unsere Wünsche erfüllt und unsere Ängste genommen
werden – von außen. Das ist das Leben, welches das
Ego führt.
Der Glaube,
dass der, der ich bin, im Innern gefangen ist und das, was
ich brauche, von außen kommen
muss. Dieses Dilemma macht einen wütend. Ich bin auf Gott
wütend dafür, dass er mich hierher getan hat, ich hasse
mich selber dafür, dass ich in einem Körper stecke,
und die Welt hasse ich, weil sie mir nicht gibt, was ich brauche.
Außerdem macht es einem Angst. Man hat Angst vor dem Unbekannten
und davor, was diesem Körper geschehen könnte.
Darüber hinaus macht es einen bedürftig. Man ist liebebedürftig
und gewillt, sich selber aufzugeben (zu verkaufen), um Liebe
zu bekommen.
Und so basieren
dann alle Wünsche und alles Verlangen auf
diesem grundsätzlichen menschlichen Bedingtsein.
Wenn du das
wirkliche Verlangen nach Freiheit aufsteigen lässt,
dann wird dieses Verlangen alles andere transzendieren. Dieses
Verlangen aufsteigen zu lassen war in der Vergangenheit sehr
selten. Doch die Menschheit tritt jetzt in eine andere Phase
ein. Entweder entwickeln wir uns weiter oder wir vernichten unsere
Erde. Es liegt tatsächlich bei dir.
Wenn du gewillt
bist, das Leiden da, wo du erscheinst, zu beenden – dies ist
die einzige Hoffnung und das einzige wahre Verlangen.
Solange dieses
Verlangen nach Wahrheit, Freiheit oder wahrhaftiger Liebe in
einem Leben nicht auftaucht, ist alles sinnlos. Wenn dieses
Verlangen einmal aufsteigt, wenn du dich ihm mit deinem ganzen
Leben verschreibst, wird es zum zentralen Angelpunkt, der Seinsgrund,
auf dem du erscheinst.
Bevor dieses
wahre Verlangen entdeckt und ausgedrückt
wird, kreiste dein Leben um dich und deine Geschichte von der
Wirklichkeit. Wenn dieses Verlangen nach Freiheit einmal aufsteigt,
ist das der Anfang vom Ende. Es ist das Ende der Suche und
der Anfang der Erkenntnis.
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Ich
stelle diese Frage, weil nichts von wirklicher Bedeutung erreicht
werden kann, bevor sie nicht zutiefst beantwortet wird. Wenn
diese Frage einmal beantwortet ist, bedeutet das eine radikale
Umbewertung deines bisherigen Lebens und weist dich in eine
neue Richtung. Das ist der Anfang, der fruchtbare Boden des
Erwachens.
Ich sehe
jetzt, das mein ganzes Leben eigentlich auch dem, was ich
wirklich wollte, gewidmet war. Welchen Rat hast du für
diese Reise, für diese Suche?
Das Leben
eines jeden ist darauf ausgerichtet, was er oder sie im Unterbewussten
will. Das Problem ist, dass die meisten nicht wissen, was sie
wirklich wollen. Die meisten leben in den konditionierten Wünsche
der Familie, in den produzierten Wünschen der Gesellschaft
und in ihren unterbewussten Fantasien, die sie auf die Welt übertragen.
Insofern leben sie ihr Leben in falschen Wünschen und
Begierden.
Die meisten
können das, was sie wollen, nur in Bezug auf das, was
sie haben oder nicht haben, definieren; das, was sie in Ordnung
bringen ('reparieren') oder loswerden wollen, was sie behalten
oder vermehren wollen. All dies spielt sich im Bereich von
Objekten ab, und diese Objekte sind lediglich die Projektion
des Ego-bezogenen Mind (Mind = Verstand/Geist, Identifikation
als Körper/Geist/Emotionen).
Dieser Ego-bezogene
Mind fühlt sich getrennt, allein und abgeschnitten, und
deshalb ist er verzweifelt darum bemüht, seinen Raum zu
verteidigen.
In all dem
Vorausgegangenen wird das, was du wahrhaftig willst, beständig
vermieden. So lange die Erfahrung von Getrenntsein besteht,
so lange besteht auch ein tiefes und wahres Sehnen nach Vereinigung.
So lange es Angst gibt, gibt es ein tiefes und wahres Sehnen,
sich dem Geliebten hinzugeben. So lange man sich isoliert fühlt,
gibt es ein tiefes und wahres Sehnen, mit dem Geliebten zu
verschmelzen.
In dem Maße,
in dem du reif und bereit bist, das Leiden zu beenden, in dem
Maße wirst du dir dieses tiefen und wahren Sehnens nach
Hause bewusst.
Mein Rat
ist, ehrlich mit dir selbst zu sein und die Wahrheit darüber
zu sagen, wo und inwieweit du dich bisher schon verkauft hast,
damit du dann für den tiefen und wahren Ruf deines Herzens
Zeit haben kannst. Solange nicht aller Selbstverrat im Licht
aufgedeckt wird, wird das, was du wirklich willst, unterbewusst
sabotiert.
Sei bereit
und gewillt - im Angesicht aller unterbewussten Strömungen,
die aus dem Ozean des Mind als Wellen aufsteigen, um dich wieder
in das Wollen des Unterbewussten zurückzuwaschen - deiner
tiefsten Sehnsucht nach Wahrheit wahrhaftig treu zu bleiben.
Was bedeutet
in dieser Suche die Charakterfixierung? Warum ist es so wichtig,
diese Eigenschaften des menschlichen Mind zu verstehen?
Mit dem Heranreifen
auf dem Weg zu seiner eigenen Erkenntnis hat der Mind bestimmte
historische Phasen durchlaufen. Zuerst besteht keine getrennte
Identität. In einem bestimmten Stadium entsteht Individuation,
im Bewusstsein setzt sich ein Gefühl des Getrenntseins
fest. Bis dahin ist alles unbewusst, wie eine Pflanze, die
intelligent ist; sie wächst mit der richtigen Seite nach
oben, sie hat intelligente, ihren besonderen Umständen
angemessene Blätter, sie verfügt über ausgeklügelte
Strategien, mit denen sie sich die Insektenwelt für verschiedenen
Zwecke wie die Bestäubung zu Diensten macht, aber es besteht
kein Gefühl des Getrenntseins.
Dieses Auftauchen
des Gefühls von einem getrennten Selbst ist ein entscheidender
Schritt in der Evolution von Bewusstsein. Dieses Gefühl
des Getrenntseins ist nun aus dem Unbewussten in das Unterbewusste
aufgestiegen. Es bewegt sich gerade unterhalb der Schwelle
des Gewahrseins. Es blickt noch nicht in Selbstbewussheit auf
sich selbst zurück. Dieses Stadium wird bezeichnet als:
den Tieren ihre Namen geben.
Im nächsten
Stadium taucht die Spaltung im Mind zwischen dem Handelnden
und dem, der den Handelnden beurteilt, auf. Freud hat den Handelnden
ein Ego genannt, das Ich; und die Instanz, die über den
Handelnden urteilt das Über-Ich. Das lässt sich metaphorisch
gleichsetzen mit der ersten Regel, die Gott aufstellt: Esst
nicht von der Frucht des Baumes der Erkenntnis. Diese erste
Regel führt dazu, dass das Ego rebelliert. Diese Rebellion
führt zu der Frucht des Erkennens von Polaritäten,
von richtig und falsch, von mir und dir, innen und außen.
Dieses Auftauchen ist in der Evolution von Bewusstsein von
entscheidender Bedeutung.
Nun ist jedes
Ego in diesen inneren Kampf zwischen den beiden Parteien verwickelt,
zwischen der urteilenden Instanz, die die Regeln der Gesellschaft
verinnerlicht hat einerseits und anderseits dem Handelnden,
der sich entweder den Regeln anpasst – was Zorn hervorruft,
oder sich gegen die Regeln auflehnt - was Furcht hervorbringt.
Sowohl Zorn
als auch Furcht laufen im Unterbewusstsein ab, unterhalb der
Geschichte, die dir als Rechtfertigung für deinen Gehorsam
oder deine Auflehnung dient. Die persönliche Geschichte
verdeckt die tieferliegenden unterbewussten Motivationen und
Konsequenzen.
Die menschliche
Gattung befindet sich derzeit am Rande des nächsten Entwicklungsschrittes,
indem das individuelle Bewusstsein aus der Trance des Getrenntseins
aufwacht. Aufzuwachen bedeutet, es klar zu sehen. Indem es
klar gesehen wird, kann es benannt werden. Indem es benannt
wird, hast du dich zu dem Muster, das ungesehen im Hintergrund
ablief, auf Distanz gesetzt.
Jetzt ist
es im Licht und kann sich als das, was es ist, auch zeigen:
ein Abwehrmechanismus des Egos gegen seine eigene Auflösung
in die Einheit und Liebe.
Zu unserem
Glück gibt es nur drei Gruppen oder Versionen von drei
verschiedenen Modellen der Ego-Fixierung. Das Ego ist überwiegend
entweder dem physischen, dem emotionalen oder dem mentalen
Körper verhaftet. Das Enneagramm bietet uns eine präzise
Karte dieser neun Identitäten. Es sind dies neun Gesichter
Gottes, die das Ego als Maske für sich benutzt.
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